Meisterklassen

Junge Sänger liegen mir sehr am Herzen, nicht zuletzt, um das weitergeben zu können, was ich in meiner Karriere erlebt und gelernt habe. Auch mir wurde in jungen Jahren sehr viel geholfen, wobei die besten Ratschläge von Kollegen kamen, die selbst auf der Bühne standen und aus Erfahrung sprachen. Gut in Erinnerung ist mir zum Beispiel noch Leopold Simoneau, ein legendärer kanadischer Tenor, der auch Don Ottavio in Salzburg gesungen hatte und mit dem ich gearbeitet habe. Aber auch die Arbeit mit Pianisten war immer sehr wertvoll, anfangs mit Graham Johnson oder Irvin Gage, die wie Professoren für mich waren. Später wurden meine ständigen Liedbegleiter Malcolm Martineau und Justus Zeyen zu meinen ehrlichen Ohren.

Ich arbeite besonders gerne mit jungen Sängern, die schon fast flügge sind, die bereits auf dem Weg sind, ihre Laufbahn zu starten. Bei dieser Arbeit habe ich zwei Arten von Sängern kennengelernt. Die einen, die wie junge Rennpferde voller Elan lospreschen und keine Furcht kennen. Ich bin nicht da, um Furcht einzuflößen, aber es ist wichtig zu wissen was man tut, um sich am Ende nicht „weh zu tun“. Diese gibt es auch, das sind die anderen, die sich und ihr Fach sehr gut einschätzen können, sehr sensibel sind und alles für die Musik tun wollen, aber irgendwie von Angst gequält sind. Damit kommt auch meine Aufgabe ins Spiel, die einen etwas zu zügeln und die anderen anzutreiben. Ich selber habe diese beiden Züge in mir und verstehe das daher sehr gut.

Eine wichtige Funktion von Meisterklassen ist meiner Meinung nach auch, jungen Sängern eine Möglichkeit des Austausches mit jemandem zu bieten, der Vitamin E wie Erfahrung mitbringt, der selbst diesen Beruf ausübt und daher über all seine Tücken, Ängste, aber auch Freuden Bescheid weiß, der womöglich auch Ratschläge parat hat, wie man über seinen eigenen Schatten springt. Vitamin E wie Erfahrung, dass man sich bei besonders schweren Arien fragen soll, warum diese so geschrieben sind. Wenn man in so einem Fall eine Welle der Panik auf sich zukommen sieht, geht es um nichts anderes als auf diese Welle aufzuspringen, wie ein Surfer mitzugehen und die Kraft der Emotion zu steuern. Das kann einem, wenn alles gut geht, auch einen gewissen Kick verschaffen. Vitamin E wie Erfahrung auch in praktischen Dingen, wie man mit Fragen umgeht, die vom kleinen Schnupfen bis zur Ausländersteuer reichen, von der Wohnungssuche in einer fremden Stadt bis hin zu Tipps über den Umgang mit Journalisten.

Das Kapital eines Sängers ist aber auch der Kontakt zu Veranstaltern und Agenturen, womit wir allerdings schon bei meinem Stella Maris Wettbewerb wären. Aber dazu später.

Eine Meisterklasse ist natürlich weniger dazu da, technisch zu arbeiten, sondern mehr am Ausdruck zu feilen. Ich kann innerhalb kürzester Zeit sehen, wo es ein technisches Manko gibt, woran man noch arbeiten sollte, rate aber in so einem Fall dazu, mit dem Lehrer noch an diesem und jenem zu arbeiten. Das, wobei ich in meinen Meisterklassen sehr hartnäckig bin, ist die Aussprache, die sehr klar sein muss, egal in welcher Sprache.

Ich muss sagen, dass mir in meiner Vergangenheit sehr oft geholfen wurde und ich das nun gerne in meiner Arbeit mit dem musikalischen Nachwuchs gerne zurückgeben möchte.

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